Capoeira, Samba und Karneval in Brasilien

Karneval in Salvador da Bahia - Foto: DW

Unser Gastautor Jens Flöck kennt sich hier aus und verrät, was absolut sehenswert ist, und warum du ein paar Sätze Brasilianisch online lernen solltest.

Wer wirklich in den Genuss kommen möchte, dass typisch ursprüngliche Brasilien kennenzulernen, kommt um die alte Hauptstadt Salvador da Bahia nicht drum herum. Hier erlebt man vom Menschenschlag her das Brasilien, dass man aus dem Fernsehen kennt. Viele assoziieren Brasilien mit Menschen dunkler Hautfarbe. Im Bundesstaat Bahia und ganz besonders in dessen Hauptstadt Salvador ist der Anteil Schwarzen und Mulatten am größten. Von hier stammt auch der Capoeira, ein von schwarzen Sklaven aus Afrika eingeführter Kampftanz. Auch der Karneval ist in dieser Stadt ein großer Touristenmagnet.

 

Rückblick über die Entstehung der Stadt an der Allerheiligenbucht

Der komplette Name dieser Stadt lautet São Salvador da Bahia de todos os Santos (dt.: Heiliger Erlöser an der Allerheiligenbucht) und geht historisch bedingt auf den Tag der Ankunft der ersten portugiesischen Seefahrer am 1. November 1501 zurück. Mit den dort bekanntesten ansässigen Indianerstämmen der Tupinambás trieben die Portugiesen schon ab diesem Datum Handel an einem bestimmten Ort, der als „Stelle des Patrons“ bezeichnet wurde. Heute steht dort der Leuchtturm „Farol da Barra“. Dem Einfluss der Jesuiten ist es zu verdanken, dass die dort ansässigen Indios von der Sklaverei verschont wurden. Stattdessen verschleppten die Portugiesen schwarze Sklaven aus Afrika, dem Gebiet des heutigen Angola. Bereits 50 Jahre nach der ersten Ankunft portugiesischer Seefahrer lebten schon die ersten afrikanischen Sklaven auf dem heutigen Stadtgebiet. Dies legte den Grundstein für den heute immer noch spürbaren afrikanischen Einfluss dieser Stadt.

Pelourinho – UNESCO-Weltkulturerbe im historischen Stadtkern

Eines der touristischen Hauptattraktionen von Salvador ist der Pelourinho rund um den „Largo do Pelourinho“. Er gehört zur Oberstadt (port. Cidade Alta) auf dem Hügel von Salvador, dem man mit dem „Elevador Lacerda“, einem hydraulich betriebenen Schnellaufzug in Gebäudeform, bequem von der Unterstadt (port. Cidade Baixa) erreichen kann. Hier befindet sich ebenso der historische Stadtkern, der voller alter Kolonialbauten ist. Der „Largo do Pelourinho“, einst eine Durchgangsstraße für den Sklavenhandel während der Kolonialzeit, ist heute der kulturelle und touristische Mittelpunkt im historischen Stadtkern. Er wurde seit 1990 mit Geldern der UNESCO wieder neu restauriert. Lange Zeit zuvor bis in die 1980er-Jahre hinein verfiel der Pelourinho und verkam zu einer innenstädtischen Favela, wo die Menschen unter unwürdigsten Bedingungen lebten. Während der Restaurierung wurden viele Häuser neu und bunt verputzt und es siedelten sich wieder Bar, Restaurants, Cafés sowie Kleinkunstmärkte an. Heute ist der „Largo do Pelourinho“ gesäumt von pastelfarbenen und bunten Häuserfassaden sowie gepflasterten engen Gassen, die romantisch anmuten. Ein wirklicher Hingucker, wer sich für historische Stadtkerne im allgemeinen interessiert.

Wenn man auf dem „Largo do Pelourinho“ frontal auf das blaue Gebäude der „Fundação Casa de Jorge Amado“ schaut, kann man die linke oder rechte Straße an der Gabelung in Richtung Historisches Zentrum auf den „Praça Terreiro de Jesus“ gehen. Dort befinden sich drei herausragende im portugiesischen Kolonialstil erbaute Gotteshäuser. Dies ist zum einen die „Igreja de São Domingos Gusmão“, genau gegenüber liegt die „Catedral Basílica de São Salvador“ und zwischen den beiden ist die „Igreja de São Pedro Clérigos“ angesiedelt. Geht man an der „ Catedral Basílica de São Salvador“ links vorbei kommt man direkt zum „Praça Sé“. An beiden Plätzen begegnet man sehr oft tänzelnden Capoeira-Gruppen, Frauen in traditioneller bahianischer Tracht aber auch vielen Bettlern, wo Vorsicht geboten ist. Vom „Praça Sé“ aus ist es auch nicht mehr weit bis zum „Elevador Lacerda“, womit man vom Hügel der Oberstadt in die Unterstadt gelangen kann. Von dem Platz aus, wo der große Aufzug steht, hat man einem wunderbaren Blick nach Westen auf die Meeresbucht. Gegenüber des Aufzugs, der ebenfalls mit einem schönen Kolonialgebäude verziert ist, steht der „Palácio Rio Branco“. Dieser beinhaltet ein historisches Museum. Direkt daneben befindet sich das Rathaus der Stadt.

In der historischen Altstadt, in der Nähe des „Largo do Pelourinho“ ein paar hundert Meter vom „Praça Terreiro de Jesus“ gelegen, gibt es mit der Kirche „Ordem Terceira Secular de São Francisco“ ein weiteres sehenswertes Kleinod. Sie hat eine außergewöhnlich geschnörkelte Fassade, was sie aus meiner Sicht von den übrigen Kirchen im historischen Stadtkern abhebt. Überhaupt lohnt es sich durch die engen malerischen Gassen der Altstadt von Salvador, besonders in einer warmen Nacht, zu schlendern. Trotzdem ist Vorsicht vor Taschendieben und Bettlern geboten. Allzu dunkle und einsame Ecken sollte man meiden. Am besten sich dort aufhalten, wo an einen von zahlreichen Bars viele Menschen anzutreffen sind.

Oft gibt es abends auch Veranstaltungen, wo Samba gespielt wird und die Leute auch auf der Straße vor der Bar tanzen. Das macht das wahre Flair der Stadt aus. Da ist es natürlich sinnvoll, auch ein paar Wörter oder Sätze brasilianisches Portugiesisch zu können, da ja im Schnitt nur jeder zenhte Brasilianer Englisch spricht. Dafür braucht es gar nicht so viel. Ein paar Sätze wie „Oi, como vai? Todo bem?“ (deutsch: Hallo, wie geht’s? Alles klar?) oder (bei Frauen) „podes me ensinar dançando o Samba?“ (deutsch: Kannst Du mir Sambatanzen beibringen?) können schon reichen, um tolle Erlebnisse mit Einheimischen zu haben. Gute Quellen, wo du Brasilianisch online lernen kannst, findest du HIER oder unter www.super-sprachkurse.de.

Noch ein wichtiger Tipp für Männer, die auf der Suche nach weiblicher Bekanntschaft sind. Vorsicht vor zu großen Frauen mit dunklerer Stimme. Da gibt es auch in Salvador nicht wenige. Gut möglich, dass es keine richtigen Frauen sind. Aber oft erkennt man diese sogenannten „Ladyboys“ schon von weitem.

Weitere interessante Sehenswürdigkeiten

Ein ganz besonderes Kleinod aus der Kolonialzeit stellt die alte Franziskanerkirche „Basílica Nosso Senhor do Bonfim“ dar. Sie ist vom „Elevador Lacerda“ aus mit dem Bus in ca. 30 Minuten erreichbar. Diese Kirche stellt für die katholischen Bewohner Salvadors das wichtigste Glaubenszentrum dar. Die Christusstatue „Nosso Senhor do Bonfim“ kam im Jahre 1745 aus Portugal. Eine Besonderheit sind die großen Sammlungen portugiesischer Blaufliesengemälde, die sogenannten „Azulejos“. Die etwas unbequeme Fahrt mit dem Linienbus dorthin lohnt in jedem Fall.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist der Leuchtturm „Farol da Barra“. Er befindet sich an der Südspitze der Halbinsel, auf der die Stadt Salvador liegt. Die Besonderheiten dieses Ortes ergibt sich zum einen aus der Möglichkeit, einen Sonnenuntergang im Meer zu beobachten, was in Brasilien eine absolute Rarität ist. Zum anderen beherbergt es ein nautisches Museum mit Caféteria. Die Strände rund um den Leuchtturm laden darüber hinaus noch zum Baden ein.

Natürlich kann die Bedeutung des „Elevador Lacerda“ nicht hoch genug eingeschätzt werden. In keiner anderen brasilianischen Stadt sind Ober- und Unterstadt mit einem Aufzug verbunden. Die Fahrt kostet nur wenige Centavos und ist gleichzeitig der sicherste Weg, um vom historischen Stadtkern an den Hafen zu gelangen.

Insgesamt lohnt sich ein Besuch von mehreren Tagen in dieser Stadt auf einer Brasilienrundreise. Vorsicht ist jedoch nur vor Taschendieben und erhöhter Kriminalität geboten. Salvador da Bahia kann man gut einbinden in eine Reiseroute von Rio de Janeiro aus nach Norden die Küste entlang, wo man nach Rio Städte wie Vitoria, Porto Seguro und Ilheus passiert. Von Salvador aus könnte man die Küste weiter nördlich nach Recife, Natal, Fortaleza und Jericoacoara fahren. Auf meiner ersten Brasilienreise im Jahre 2005 habe ich es so gemacht, dass ich zuerst in Rio war, danach in Brasília. Von dort aus nahm ich einen Flug nach Salvador. Man kann von Rio de Janeiro oder São Paulo auch direkt dorthin fliegen, wer es denn bequemer mag.

Einen absoluten Geheimtipp, den ich empfehlen kann, ist von Salvador da Bahia aus mit dem Schiff erreichbar. Dies ist der Ort Morro de São Paulo auf der Insel „Ilha de Tinharé“. Die Strände dort gelten als malerisch und paradiesisch, weshalb der Ort ein Touristenmagnet ist. Wenn du Einheimische fragst, werden sie dir diesen Ort besonders  empfehlen. Und dafür kannst du dann wieder die Sätze aus dem Brasilianisch-Crashkurs anwenden. Schau dir das mal an: http://brasilianisch-fuer-reisende.de. Da gibt es auch eine kostenlose Version zum Ausprobieren.

Ich wünsche dir viel Spaß auf deiner Reise
Jens

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