Eine Kiwiplantage im Hinterland der Nordinsel Neuseelands..

Gestern noch mit zwei Freunden und dem Auto durch Neuseeland gefahren, stehen wir heute schon auf einer stark befahrenen Straße und trampen. Nach Katikati soll’s gehen. Dort wo die Kiwis wachsen. Wir wollen Josie besuchen. Sie ist vor 21 Jahren vom Allgäu nach Neuseeland ausgewandert. Kennen tun wir sie noch nicht. Mein Boss aus der Sparkasse hat mir Josie’s Kontakt gegeben.

Also lassen wir uns überraschen..

Ein Auto stoppt 100 Meter weiter auf dem Seitenstreifen. Wir spurten vor und fahren mit. Zufällig sind es auch Deutsche. Naja, das “zufällig” streichen wir wieder – in Australien und Neuseeland ist es wohl eher eine Kunst keine Deutschen zu treffen.

Sie sind ebenfalls nach Neuseeland umgezogen. Stefan und Anna fühlen sich hier sehr wohl und wollen eine Familie gründen. “Ach ja, trampen ist auf der Autobahn übrigens verboten!”, meint Stefan. “Was das hier ist eine Autobahn!?”, rufen wir überrascht. “Naja, für solche Aktionen sind die deutschen Backpacker ja bekannt in Down Under”, lachen wir alle.

Josie ist echt lässig! Sie ist eine absolut aktive Mitte-50er-Frau und genießt ihr Leben in vollen Zügen. Wir fühlen uns bei ihr wie zu Hause und sie nimmt uns gleich am nächsten Tag mit zu Freunden zum Abendessen.

Bingo! Andi und Marti haben eine Kiwifarm. Mit einem leckeren Nudelgericht im Magen gehen wir mit Marti zur Kiwi-Plantage.

Wir laufen unter einem Dach aus Kiwis und Marti erzählt: “Die großen fahren nach  Japan, die kleinen nach Deutschland”. “Echt? Weswegen kaufen die Deutschen denn nur die kleinen?”, frage ich. “Ja, die wollen nicht so viel für Essen bezahlen und nehmen die günstigeren”, antwortet Marti.

Marti steht unter Kiwibäumen und pflückt..

“Und die hier, die essen manchmal die Neuseeländer”. Er zeigt uns eine flache unrunde Kiwi, pflückt sie und wirft sie dann in eine Hecke. “Haaaalt! Nicht die gute Kiwi wegwerfen!”, rufen wir entsetzt. “Ja, die will keiner!”, sagt Marti und wirft ein paar weitere in den Busch. “Zwei Monate bevor wir sie ernten laufen wir durch die Plantagen und pflücken alle unschönen Kiwis. Die hindern nur die schönen am wachsen. Zur Erntezeit im März und April kommen übrigens einige Backpacker für Fruit-picking Jobs. Katikati ist hervorragend für Ferienjobs (seeka.co.nz ist zum Beispiel eine gute Adresse)”, ergänzt Marti.

Bevor er noch weitere der pelzigen Früchte wegwirft, pflücken wir uns schnell einen Sack voller Flach-Kiwis. Sie sind noch ganz hart, aber eine Woche in die warme Küche gelegt und sie schmecken hervorragend.

Am Tag darauf geht Marti seinem Hobby nach, er fährt Hochseefischen. Und wir dürfen mit, cool!

Ein Fischerboot wird ins Meer eingelassen

Vormittags stechen wir in See. Sie ist ein wenig unruhig und die Strömung nicht optimal. Na egal, bestimmt fangen wir trotzdem was!

Auf dem Boot wirft Marti einen Klumpen gefrorenen Fisch in’s Wasser. Er soll die dicken Fische anlocken. Ein Messer und ein Fisch, der als Köder verwendet wird. Ein Stück Fisch auf den Haken gespießt und los geht’s. Wir sitzen, warten, reden, beobachten, sitzen, warten, reden, beobachten, sitzen,..

Aber es wird nicht langweilig, denn wir sehen genau wo die großen Fische gerade rumheizen. Sie jagen kleine Fischschwärme und treiben diese zusammen um einige davon zu fressen. Die ängstlichen Fischis schwimmen dann ganz an der Oberfläche und springen aus dem Wasser. Nur zu dumm, dass oben meistens Vögel fliegen, die auch hungrig sind. Das ganze heißt dann “boiling water”, weil das genau so aussieht, als ob dort das Wasser koche.

“Und jetzt sollen die das ganze am besten um unsere Haken machen, dann sind wir auch happy”, sage ich.

Tatsächlich! Kurze Zeit später zieht ein Dicker an Martis Angel. Er kurbelt wie ein Wilder und drückt sie mir nach kurzer Zeit in die Hand. Ich rolle ein, aber bei mir ist nichts mehr dran.. “Neiiiin, wahrscheinlich konnte sich der Fisch vom Haken befreien, als die Leine kurz nicht mehr auf Zug war!”, grummelt Marti. Na so ein Pech! Naja, für den Fisch war es eben Glück :)

Gefangen haben wir an diesem Tag nichts mehr, ein tolles Erlebnis und einen Sonnenbrand gab’s trotzdem.

Drei Tage später stehen wir nun wieder an der Straße und trampen. Katikati war einfach super und wir bedanken uns bei Josie dafür.

Ein Lastwagen der uns ein großes Stück mitgenommen hat..Ein Laster kommt auf uns zu gefahren und zum Spaß halte ich den Daumen raus.. Crazy! Der hält wirklich! Als ich die Tür zur Fahrerkabine öffne, kommt mir eine Wolke Marihuana entgegen. “Hust, Hust, wir wollen nach Auckland”, schniefe ich. Ein Maori grinst uns entgegen und lässt uns einsteigen.

Er ist ein halb Maori, dreht gerade seinen 8. Joint, lacht über die Europäer, die Gras mit Tabak vermischt rauchen, hat eine dicke Frau und meint dicke seien geil, erzählt uns seine Lebensgeschichte und kennt Nazi-Witze. Und unsere Fahrt war verballert, urkomisch und ein echtes Stück Neuseeland!

Und ich kann nur sagen: Trampen ist eine Lebenserfahrung! → Mehr zum trampen haben wir in der Rubrik “fahren, fliegen” bei finds-besser-raus.de aufgeschrieben.

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