absolut Spitze und empfehlenswert!

Es ist Morgens um 5:30Uhr und wir machen uns auf zum Fischmarkt der Insel Penang, die an der Westküste Malaysias kurz vor Thailand liegt. 40 Minuten später stehen wir mitten im nach Fisch riechenden Markt und stellen fest: Zu spät! Das Fisch-Shopping der Restaurantbesitzer ist schon vorbei.

Nach kurzem Grübeln fragen wir die Frau am Verkaufsstand mit Händen und Füßen: “Habt ihr diese Fische selbst gefangen? Und können wir beim Fischfang helfen?”

Weder sie noch die anderen Malaysier verstehen Englisch, hmm. Zum Glück! – Aus der Nebenhalle holt einer der Verkäufer einen jungen Mann, den wir fragen können.

“Nein, wir fischen nicht selbst. Diese ganzen Meeresfrüchte kaufen wir von den Fischern am Hafen ab. Geht einfach ans Meer zum Steg und fragt direkt bei den Fischkuttern nach.”

Wir schlendern also durch das kleine Fischerdorf in Richtung der Fischerboote. Ob jetzt noch jemand da ist? Es ist schon zwanzig nach sieben.

Dieser Fischersteg ist zugleich die Zufahrt zu den Fischkuttern. Jeden morgen werden die gefangenen Fische über diesen abtransportiert.Auf dem Steg, der zu den Kuttern führt, kommt uns bereits ein starker Fischgeruch entgegen. Hier sind wir richtig! Wir springen auf die Seite zwischen die Stützpfosten, als uns die mit Netzen und Fisch beladenen Mopeds entgegen kommen.

Jawoll, da sind noch Leute!  - Und alle arbeiten geschäftig. Aber wir scheinen sie nicht zu beeindrucken. Egal, fragen wir einfach.

Mister Chan, ein Chinese, verspricht uns am nächsten Tag um 17.00 Uhr mitzunehmen. Bingo! Aufgeregt und voller Vorfreude gehen wir nach Hause.

Was werden wir alles fangen? Und wie viel? Wie ist der Ablauf?

Mit vielen Fragen finden wir uns am nächsten Tag auf dem Kutter ein. “Auf diesem Schiff arbeiten vier Männer. Einer als Steuermann, die anderen drei zum Netz aus- und einholen, Maschinen steuern und Fische sortieren”, erklärt uns der freundliche Mister Chan. “Es gehört unserem Chef. Wir fahren es und bekommen einen Teil vom Fang als Lohn”.

Der fast 50 Jahre alte Chinese ist der Einzige, der Englisch spricht. Er hat in China und in Japan als Bauarbeiter gearbeitet. Jetzt lebt er mit seiner Familie auf Penang in Malaysia. Hier gefällt es ihm, er könne mit seiner Familie vom Fischfang leben, erzählt er uns. Heute gibt es hier weniger Fisch als noch vor einigen Jahren. Die Nachfrage und die Preise sind gestiegen, jetzt bleibt mehr Geld für die Fischer.

Kilian und Mister Chan, der freundliche chinesische Mann, der uns auf seinem Fischkutter mitgenommen hat.

Nach einer Stunde Fahrt muss Gina auf die Toilette. Oh man, sie ist die erste Frau, die auf einem Kutter mitfährt.. und für Männer gibt’s gar kein Klo – da reicht die Reling. Drei Minuten später horten sich die vier Fischer auf der einen Seite, während Gina auf der anderen Seite in das kleine Loch im Schiffsboden pinkelt. Tip top, wir finden sogar einen Wasserschlauch zum Hände waschen und Nachspülen;)

Eine Stunde später lassen wir das Netz ins Meer.

Auf einer großen Spule an der Rückseite vom Fischkutter ist das Fangnetz aufgerollt. Hier wird es gerade ins Meer gelassen.

An jeder Seite des Kutters wird ein großer Balken ausgeklappt, der das Fangnetz in die Breite zieht.

Der lachende Steuermann oben in der Fahrerkabine. Links der Balken, der das Netz stabilisieren soll. Und am Ende vom Kutter sitzt Gina und schaut auf's Meer hinaus.

“So jetzt könnt ihr entspannen, wir fahren nun 4 Stunden”, sagt Mister Chan.

Die Malaysia-Flagge am Mast des Schiffes mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund.

Vom Sonnenuntergang bis in die Nacht. Gina hat sich bereits in den Schlaf schunkeln lassen.

Schlafende Gina, beim warten bis wir das Netz wieder einholen. Sie liegt auf einer Truhe auf der Rückseite des Kutters.

Nach der schaukelig aber gemütlichen Fahrt wird’s endlich spannend! Die Wartezeit ist vorbei! Wird es der große Fang? Langsam wird das Netz aufgewickelt. Einzelne kleine Oktopusse fallen von den Seilen. Die meisten kriechen mit ihren Tentakeln zurück ins Wasser. Endlich hängt ein riesiger Sack direkt vor unserer Nase. Die Männer befördern diesen mit einem kleinen Kran von der Rückseite zur Schiffsmitte. Einer öffnet den Sack und mit einem “Wumms” landet der ganze zappelnde Haufen auf dem Deck.

“Normal werfen wir das Netz noch einmal aus und fahren eine weitere Tour. Der Wellengang ist inzwischen so hoch geworden, dass wir die zweite Runde auslassen”, ruft Mister Chan beim Sortieren der Fische. Und wirklich, erst jetzt fällt es mir auf, der Kutter wird richtig durchgeschaukelt! Und ich dachte schon das sei normal..

Wir haben mehrere Plastikkörbe und Säcke in die wir die Meeresfrüchte hinein sortieren. “Autsch!!” rufe ich. – “Ja aufpassen, die kleinen Fischchen haben Stacheln an den Flossen, als Schutz”, lacht mir der chinesische Mann entgegen.

Die gefangenen Tintenfische in einen Korb einsortiert.Die Shrimps hier rüber, die Tintenfische dort hinein, große Fische da hin, Krebse und andere Krabbeltiere in den Korb. Die kleinen Fische in die Säcke, die können wir nur im Paket verkaufen. Andere Leute trocknen diese und verkaufen sie auf heimischen Märkten. Der Fang der Nacht war der “Red Snapper”, 27,- US$ pro Kilogramm  bekommen die Fischer angeblich dafür.

Der "Red Snapper" unten im Bild gehört zum dicken Fang. Daneben sitzt ein Fischer und sortiert Fische in Körbe und Säcke ein.

Als wir wieder im Hafen einfahren, waren alle Fische fertig sortiert. Die Ware wird sofort verladen. Es ist halb zwei Uhr Nachts und wir stellen fest, dass eine Runde völlig in Ordnung für uns war:) Normal kommen die Fischer erst um halb fünf Uhr zurück.

“Wollt ihr mitkommen auf einen leckeren Fisch?”, lädt uns Mister Chan nach getaner Arbeit ein. “Klar! Sehr gerne.”  -  Wir nahmen drei dicke Fische mit ins kleine und voll besuchte Dorfrestaurant. Die Köchin grillte diese für uns und es waren die wohl frischesten selbst gefangenen Fische, die ich bis jetzt gegessen habe. Mit einem kleinen Dankeschön, einer Runde Bier und weiteren Fragen ließen wir den Abend ausklingen, bis wir um vier Uhr müde ins Bett fielen.

Ein tolles Abenteuer, das du in fast jedem Küstenland der Welt erfahren kannst! -Wenn du willst und die Fischer fragst;)

Mehrere Fischkutter ankern am Fischersteg in Pulau Penang auf Malaysia

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