Der Saubere Ganges und Rishikesh mit Tempeln.

Wir stehen im Reisebüro in Rishikesh, das zu den großen Yoga Hochburgen Indiens gehört. Die Züge nach Varanasi sind ausgebucht (siehe Insider-Tipp: Zugtickets Indien), nur Übermorgen sind noch Plätze frei. “Okay, dann bleiben wir halt länger hier”, freut sich Gina. Ich schaue auf die Tickets. Gina’s Ticket hat eine Schlafplatz Nummer, meins hat keine. Komisch?! Der Verkäufer sagt uns: “Das ist kein Thema, der Schaffner besorgt dir dann einen Platz”..

Zwei Tage darauf sitzen wir im TukTuk zum Bahnhof. Dankeschön, Yugesh – So heißt der Inder, der uns in dieses spirituelle Dorf im Norden mitgenommen hat. Wir hatten eine coole Zeit hier, durften Meditation lernen und haben die frei herumlaufenden und gefräßigen Kühe mit Bananenschalen und Garlic Naan (Knoblauch-Brot) gefüttert. “Ist gut für’s Karma”, erklärt uns Yugesh. Baden im sauberen Ganges war auch ne coole Idee. In Varanasi wird das wohl nicht mehr möglich sein. Da schwimmen schon zu viele Leichen herum..

Nach großem Gedränge im Zugabteil stelle ich fest: “Auf Platz 54 liegt ja schon einer!” Ich zeige ihm mein Ticket. Er grinst und antwortet mir: “Yes, I got the same ticket, sleeper 54. These are half seat tickets, sharing ones. That’s fine, just sit down and relax, we’ll stay here together”.

Ähh, hallo lieber Mann? Du bist fast gleich groß wie ich und das Bett ist nur 1,80 Meter lang. Sollen wir uns da wirklich zusammen reinkuscheln?

Nach kurzer Ratlosigkeit beschließe ich, dass ich lieber mit Gina und den zwei Rucksäcken zusammen kuschle. – Gab leider keine andere Möglichkeit als die Backpacks mit ins Bett zu nehmen, ist halt sicherer. Wir tauschen also die Plätze mit dem großen Inder (..der war insgeheim glaub ich auch ganz froh) und starten die 14 Stunden lange Nachtfahrt.

So verknotet und senkrecht wie in dieser Nacht habe ich davor noch nie geschlafen. Gina’s Kommentar: “Das halte ich für ein Gerücht, Kilian sah eigentlich ganz entspannt aus beim schlafen…”. Naja, trotzdem weiß ich jetzt, dass auch meine Zehen einschlafen können :)

Die heilige Stadt schön gelegen am etwas dreckigen Ganges.

Endlich in Varanasi angekommen, lassen wir uns mit dem Fahrrad-TukTuk ins Stadtzentrum an den Ganges fahren. Überall rennen Leute hin und her. Ein ohrenfüllendes Gehupe tönt durch die aus den nähten platzenden Straßen – Party halt:) Es ist ein Tag vor Shivaratri, einem der heiligsten Feste der Inder.

Ungünstig für die Hostel-Suche. Unser Budget sind stolze 10,-€ pro Nacht. Also ein drittel Monatslohn von normal verdienenden Indern. Trotzdem sind die Unterkünfte so hoffnungslos überbucht, dass wir nach 2 Stunden suchen eine Hitze-Pause brauchen. Nämlich oben in einem Rooftop Restaurant. Saucool, mit Aussicht auf die Ghats, den ganzen Tumult und den Ganges.

Wir sehen wie die Familien ihre LeichenDie ganze Familie trägt den verstorbenen zur Verbrennung und schreit Mantras. an die Feuerstellen der Ghats tragen und positive Mantras rufen “Bam Bam – Bole!”, “Bam Bam – Bole!”. Fotos vom verbrennen der Leiche zu machen ist nicht erlaubt. Das fängt die Seelen ein, besagt der indische Aberglaube. Die ganze Zeremonie und die spezielle Atmosphäre von oben erleben und sehen lohnt sich jedoch sehr!

Weiter geht’s mit der Suche nach einem Schlafplatz. Nach zwei zu preishohen und drei total versifften Betten haben wir die Nase voll. Wir steigen noch mal ins Fahrrad-Taxi und fahren Flussaufwärts, ans andere Ende der Stadt. Es ist schon fast dunkel und wir irren in den engen Labyrinth ähnlichen Gassen umher. Ein kleiner Junge hilft uns eine Herberge, die im Reiseführer steht (ausnahmsweise), zu finden.

Zwar übersteigt die unser Budget erheblich, wir sind nach fünf Stunden suchen und der langen Zugfahrt jedoch heilfroh endlich einen Schlafplatz gefunden zu haben.

-> Welcome to Varanasi!

Eine leicht müffelige und absolut religiöse Stadt. Kühe heizen auf den Ghats herum.

Eine Kuhherde, die von einigen Indern Obst-Abfälle zum fressen bekommt.

Tag und Nacht werden Leichen verbrannt, ungefähr 250 Stück von 48 Arbeitern, die rund um die Uhr arbeiten. Bei den Männern bleibt das Brustbein und bei den Frauen die Hüftknochen übrig. Die werden dann vom Ältesten Sohn in den Fluss geworfen, erklärt uns ein freundlicher “freiwilliger” Gästeführer. Die Zeiten an denen die Ehefrau mit ins Feuer springen musste, wenn der Ehemann gestorben war, sind Shiva sei Dank schon vorbei. Der alte indische Mann führt uns direkt durch die Ghats. “Schaut da!” ruft er. Gina dreht sich reflexartig um und sieht ein halb verbranntes Bein aus dem Feuer hängen. “Iiih!”, das wollte ich doch gar nicht sehen, höre ich sie hinter mir ächzen.

Wir machen Halt am ewig brennenden Feuer des Ghats. Der Mann segnet uns und bittet um eine Spende für 51 Menschen, die auf dem Sterbebett liegen, sich die teure Verbrennung aber nicht leisten können. Nach Zögern und kurzer Beratung geben wir ihm Geld. In Delhi hat uns schon mal einer ausgetrickst, haben wir im Hinterkopf.. Und tatsächlich, von Rama unserem indischen Freund erfahren wir, dass es dieses soziale Heim gar nicht gibt. Ärgerlich, da hat unser Bauchgefühl doch gestimmt. Nächstes Mal verlangen wir, dass wir eine Einrichtung wie diese sofort gezeigt bekommen. Dann sehen wir gleich, ob uns einer bescheißen will und können das Geld direkt vor Ort abgeben.

Und hier geht’s zum zweiten Teil vom Reisebericht: Sivaratri – Das heiligste Fest vieler Inder, in der göttlichen Stadt Varanasi.

Wenn du in Varanasi eine ehrliche und erlebnisreiche Stadtführung haben willst:

Durch einen glücklichen Zufall haben wir unseren Freund Rama Shanker kennen gelernt. Er hat Familie mit zwei Töchtern und wohnt ein wenig außerhalb von Varanasi. Jeden Tag läuft er zu seiner Arbeit in die Stadt. Wenn du eine Führung von einem Einheimischen haben willst, dann ist Rama der perfekte Inder dafür. Für uns ist er ein sehr herzlicher Mensch und er spricht leicht verständliches Englisch. Mit seinem Beruf verdient er wenig Geld und freut sich besonders auf interessierte, freundliche Menschen und einen Zuverdienst. Wenn du in Varanasi bist, dann rufe ihn einfach an und frage, ob er Zeit für dich hat. Er ist eine tolle Hilfe und bietet dir ein absolutes Kulturerlebnis! Seine indische Telefonnummer: 9889236126.

Ein lustiges Bild ergeben die Inder, die sich jeden Morgen im heiligen Ganges waschen.

Jeden Morgen waschen sich die Inder im Ganges und führen Gespräche auf den Chats.

 

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